Am 12. Oktober 2025 besuchten wir im Museum Folkwang die Ausstellung „Listen to the Echo“, eine Werkschau des südafrikanischen Künstlers William Kentridge zu dessen 70. Geburtstag. Wir wurden begleitet von Frau Rott vom Museum Folkwang. Nach der mehr als einstündigen, interessanten und lebendigen Führung durch die sehr umfangreiche Ausstellung waren wir um einige Erkenntnisse reicher. Hier nur eine kleine Auswahl:
Von Kentridges Kunstwerken können vielfältige Resonanzen ausgehen. Sie stellen Verbindungen her: solche zwischen Regionen (Abbau von Gold in Südafrika, Abbau von Kohle, z.B. im Ruhrgebiet), Epochen (Ausbeutung in Geschichte und Gegenwart), Orten (Ausstellungsorte Essen und Dresden) sowie zu persönlichen Assoziationen des Betrachters. Sie haben ihr Echo, man muss es nur „hören“, „Listen to the Echo“ also.
In Kentridges Bildern gibt es unzählige Details zu entdecken, sie sind in gewisser Weise “Wimmelbilder“. Gut, dass unsere Begleiterin uns bisweilen die Augen öffnen konnte, wie z.B. bei einem der ersten Bilder der Ausstellung, dem großen Portrait eines südafrikanischen Unternehmers. Bei genauem Hinsehen entpuppen sich die schwarzen „Streifen“ seines Nadelstreifenjackets (ehedem Statussymbol des wohlhabenden Bürgertums) als schmale, schwarze Figuren – eine Anspielung auf die schwarze Bevölkerung, deren Ausbeutung und Unterdrückung durch die Apartheid den Reichtum der weißen Unternehmer erst ermöglichte – welch subtile Bildersprache.

Kritik an der Apartheid, an Vertreibung und Unterdrückung der schwarzen Ureinwohner Afrikas, diese Themen ziehen sich wie ein roter Faden durch Kentridges Werk.
So zu sehen z.B. in seinem Kurzfilm zur Niederschlagung des Herero-Aufstands durch deutsche Kolonialmächte 1904, einer Bildanimation in einer faszinierenden Filmtechnik: Auf einer Puppentheaterbühne „…laufen Filmbilder aus animierten Kohlezeichnungen, eine Lichtkammer, durch die mechanische Figuren surren, wie von Geisterhand gezogen“ (Berliner Zeitung, 11.11.2025)
Der Besuch dieser Ausstellung war für einige von uns eine sehr stimmige Ergänzung und Erläuterung zum Besuch der Aufführung von „The Great Yes, The Great No“ im Rahmen der Ruhrfestspiele Recklinghausen, für uns alle war es eine Entdeckung des vielfältigen, berührenden und anregenden Werks von William Kentridge und lieferte genügend Stoff zu lebhaften Tischgesprächen beim gemeinsamen Mittagessen im Bistro „Edda“.